Malmsturm 7 – Der Schlaf der Todfresser

Man, das war ja wieder was. Maulwürfe mit Tentakeln, die ihre Beute unter der Erde in Kokons aufhängen … Wär’s nicht tatsächlich so gewesen, hätte man sich fast fragen können, welches kranke Gehirn sich so etwas ausdenkt. Etwas hat der Ausflug in die Unterwelt auf jeden Fall gebracht: Edgut ist wieder unter ihnen. Und der wird sich bestimmt noch als nützlich erweisen. Edgut selbst scheint von der ganzen Sache nicht wirklich etwas mitbekommen zu haben. Er schaut ein bisschen verwirrt in die Runde, klopft den Staub von seiner Hose ab und quittiert seine aufwendige Rettung mit einem trockenen „Danke“. Halgar erwidert pathetisch „Wir lassen keinen zurück!“ Sei’s drum, jetzt sind unsere Helden wieder an der Oberfläche und können ihre eigentliche Mission fortsetzen: das Auge des Waldes finden, das von den Todfressern gestohlen wurde, und es zurück in den Hain bringen.

Die erste Patrouille

Fieser Nieselregen benetzt ihre Gesichter. Auf einem Ast sitzt Feroz, die Krähe, und krächzt ihnen, erleichtert ob ihrer wohlbehaltenen Rückkehr, zu. Feyðra sucht die Nähe von Theoderich. Halgar erinnert ihre Gefährten noch einmal daran, die Augen offen zu halten, da die Todfresser, wie es scheint, weder Respekt vor dem Leben hätten noch Wert auf einen ehrenvollen Kampf legten. Dann setzt sich der Tross in Bewegung. Feroz fliegt voraus, der Rest geht weiter querfeldein durch den Wald, um den Außenposten der Todfresser zu umgehen. Das Laufen durch das dichte Unterholz ist für alle sehr anstrengend – außer für den Spatzewatz, der sich durch Gestrüpp und Totholz hindurchbewegt, als wäre es nicht vorhanden. Eimack fängt bald an zu meckern, wird aber jäh von Halgar aufgefordert, leise zu sein. Theoderich glaubt plötzlich, in unmittelbarer Nähe ein Reh zu sehen und denkt im gleichen Moment ans Abendessen. Halgar und Eimack erkennen hingegen etwas anderes. Die Gruppe bleibt stehen. Es knackt, eine Jungtanne wedelt unnatürlich hin und her. Halgar fordert alle auf, sich zu verstecken. Eimack wirft sich hinter einen umgestürzten Ast in der Nähe einer Pilzgruppe, der Spatzewatz drückt sich hinter einen Baum und Theoderich klettert behäbig über einen Baumstamm, hinter dem er sich verstecken will, ist dabei aber viel zu langsam. Im selben Moment schält sich etwa 70 Schritt entfernt ein gewaltiger Helm aus dem grünen Tannendickicht, der, was man nun im Laufe des Heraustretens immer besser erkennen kann, den Kopf einer weiblichen, leicht bekleideten Todfresserin ziert. Nach ihr kommt auch noch ein männlicher Todfresser zum Vorschein. Die Blicke der beiden und der Theoderichs treffen sich. Edgut und Halgar sind gerade dabei, sich abzudecken, und können sich ebenfalls nicht schnell genug verstecken. Sichtlich erschrocken halten die Todfresser inne, während Theoderich sie reflexartig anquasselt, sie mögen doch bitte leise sein, da sich weiter hinten ein Reh befände, das er fürs Abendessen brauche, und dass auch die Pilze hier unter ihm hervorragend dazu passen würden. Während der männliche Todfresser bereits zur Waffe greift, fordert die weibliche Todfresserin ihn zunächst per Geste auf, zu warten, da sie Theoderich drollig findet. Dann sieht sie aber Halgar, greift unter ihre Jacke, zieht ein kurzstieliges Beil heraus und wirft es in ihre Richtung. Mit einem dumpfen Knall prallt das Beil gegen Halgars Brustpanzer. Halgar schnauft kurz aus. Der Spatzewatz überlegt kurz, dann lässt er einen schweren Ast über den Todfressern abbrechen, der auf sie herabfallen soll. Der Ast kracht hinter dem männlichen Todfresser auf den Boden, erwischt diesen aber auch am Rücken. Edgut schreit eine Silbe in die Luft, seine Hände fahren nach vorne und es schießen drei Flammenkugeln in Richtung des männlichen Todfressers, von denen eine dessen Bein trifft und eine andere die Brust. Eine riesige Rauchwolke türmt sich auf und überall sausen Flammen und Funken in das vom Nieselregen durchfeuchtete Holz. Der Todfresser sinkt entleibt und zur Unkenntlichkeit entstellt zu Boden. Um sein Werk zu unterstreichen, ruft Edgut im Rausch dem Zusammenbrechenden noch „Verbrenn“ hinterher, während Asche und Flammen aus seinem Munde stoßen. Halgar zieht indes ihr Schwert, reißt sich ihr Schild vom Rücken und rennt wie eine Gestörte in Richtung der verbliebenen weiblichen Todfresserin. Hierbei bleibt sie hier und da an dem dichten Gestrüpp hängen, kommt immer wieder ins Stolpern, erreicht aber schließlich die Feindin. Feyðra versteckt sich hinter dem Baum, über den Theoderich klettern wollte, und nuschelt etwas Unverständliches vor sich hin. Die Todfresserin zieht, als sie Halgar angerannt kommen sieht, ihre zweihändige Riesenaxt zur Verteidigung hoch. Während sie versucht, Halgar in eine Richtung abzuwehren, duckt diese sich weg, macht eine Rolle in die andere Richtung. Die Axt der Todfresserin verhakt sich im herabgestürzten Ast, weshalb die Todfresserin das Gleichgewicht verliert, in Halgars gezogenes Schwert stürzt und verendet. Theoderich klettert daraufhin zurück zu Feyðra und beruhigt sie. Edgut regt sich langsam wieder ab. Da der Versuch misslingt, Spuren etwaiger weiterer Todfresser zu finden, setzt die Gruppe ihren Marsch fort. Feroz zeigt den Weg.

Der Heckenring

Irgendwann fällt Eimack auf, dass der Vogelruf, der nun schon zum dritten Mal durch den Wald schallt, irgendwie verdächtig klingt – zu gleich, zu monoton. Sie beobachtet nun beim Gehen aufmerksam die Umgebung und erkennt schließlich, dass die Gruppe sowohl voraus als auch hinter sich von jeweils zwei Todfressern eskortiert wird. Die beiden hinteren haben bereits Bögen in der Hand. In ein paar Schritten wird eine Lichtung kommen, auf der sie mit hoher Wahrscheinlichkeit angreifen werden. Eimack hält an und warnt: „Hinterhalt! Spatzewatz lass ein Heckenlabyrinth wachsen!“. Das ist der Moment, an dem der Spatzewatz zum ersten Mal aufgefordert wird, seine Fähigkeiten anzuwenden, an dem sich also zum ersten Mal einer der Gruppe der Fähigkeiten des Spatzewatzen bewusst ist. Der Spatzewatz lässt nun eine riesige, hohe, rechteckige Hecke mit einem geheimen in Richtung der hinteren beiden Todfresser ausgerichteten Ausgang wachsen. Die Todfresser befinden sich außerhalb, die Gefährten innerhalb des Heckenrechtecks. Mit Hilfe der Ratschläge Theoderichs gelingt ihm das außerordentlich gut und es entsteht ein episches Meisterwerk, das obendrein noch blüht, was aber außer einer ansprechenden Ästhetik keinen weiteren Nutzen hat. Halgar schaut den Spatzewatz etwas misstrauisch an und fragt ihn, ob er überhaupt ein Mensch sei. Auch Edgut ist irritiert und spricht von Hexerei. Ausgerechnet er. Feyðra bleibt ruhig bei Theoderich. Außerhalb der Hecke hört man die Schreie der Todfresser. Der Spatzewatz macht die Gruppe auf den geheimen Ausgang aufmerksam. Edgut stürmt sogleich durch den Ausgang aus der Hecke und schleudert drei Feuerbälle auf die Todfresser, die wild gestikulierend um die Hecke rennen. Danach kehrt er sofort wieder in die schützende Grünanlage zurück. Einer der Todfresser kommt durch diesen Angriff ums Leben. Aber auch an Edgut geht die Aktion nicht spurlos vorüber. Ein anderer Todfresser schießt nämlich einen Pfeil auf ihn. Zwar wird er durch sein flammendes Amulett geschützt, das einen Teil des Pfeiles verbrennt, wird aber dennoch von dem verbliebenen, unverbrannten Teil in der Brust getroffen. Zumindest haben die Todfresser den Eingang nicht entdeckt. Nun verlässt der Spatzewatz die Deckung und wird vor der Hecke zu einem Baum. Dadurch kann er sehen, dass einer der Todfresser um die Hecke herumläuft, ein anderer steht dort, wo Edgut seine Feuerbälle abgeschossen hatte. Insgesamt sind es drei Todfresser. Sie kommen schließlich an einer Stelle zusammen und einer von ihnen beginnt, mit einer Axt auf die Hecke einzuschlagen. Zu dritt vergrößern sie die durch die Schläge erzeugte Kule im Gestrüpp, bis daraus ein Fenster entsteht. Theoderich nimmt seine Pfanne, redet sich in Rage ob der Situation mit den Todfressern und entdeckt dann aber Pfifferlinge und Petersilie, die er fürs Abendessen pflückt. Der Spatzewatz verspürt einen Hauch Sympathie gegenüber den Todfressern, da sie so archaisch, so ursprünglich und naturnah sind – letztlich findet er sie aber doch zu wild und ungehobelt. Eimack schießt derweil mit ihrer Armbrust dem durch das Fenster schauenden Todfresser ins Gesicht und erlöst ihn so von seinem erbärmlichen Dasein. Halgar stürmt durch den versteckten Ausgang nach draußen, rennt brüllend auf einen der beiden verbliebenen Todfresser zu, springt hoch, kickt seine Waffe mit den Füßen weg und rammt ihm ihr Schwert durch den Hals. Edgut beschwört seinen flammenden Vorschlaghammer, verlässt ebenfalls das Heckenlabyrinth und schlägt damit auf den letzten verbliebenen Todfresser ein. Geschwächt durch den Pfeil, der immer noch in seiner Brust steckt, kann er ihn aber nur verletzen. Feyðra schaut erstaunt zu Theoderich, der immer noch Kräuter und Pilze sammelt, und fragt ihn, warum er den anderen nicht hilft. Theoderich erklärt ihr, dass das die anderen auch ohne seine Hilfe schaffen. Feyðra nickt zustimmend und hilft Theoderich beim Pflücken. Halgar, „wie viele von euch gibt äs noch in diesäm värrdammtän Wald?“ zeternd, schlägt auf den letzten Todfresser ein, trifft ihn aber nicht. Daraufhin tritt der Spatzewatz in Aktion. Er lässt eine Liane wachsen, die sich um den Hals des Todfressers legt und ihn langsam, aber stetig erwürgt. Theoderich bereitet derweil ein fantastisches Abendessen zu und ist umso verzückter, als er als weitere Zutat eine leckere Schafgarbe findet.

Der Spatzewatz fragt nun Feroz, die Krähe, ob sie bereits das Lager der Todfresser erspäht hat. Feroz beginnt, über das lärmende Geschrei der Todfresser zu klagen, und meint, dass sie nur dahinfliegen müsse, wo es am lautesten sei. Sie fügt hinzu, dass sie spürt, wie die Kraft des Auges des Waldes immer mehr schwindet. Nun wird Theoderich absurd, lässt das Abendessen allein und braut stattdessen einen Genesungstrank für Edgut, während Eimack den Pfeil abbricht, eine Kerbe hineinschneidet, etwas Schießpulver darauf streut, das Edgut schließlich anzündet. Während des Aufflammens zieht Eimack den Pfeil schnell heraus, so dass die Wunde durch die Flammen verschlossen wird. Eimack hieß in ihrem früheren Leben John Wayne – das weiß sie aber nicht. Nach ein paar Schlucken von Theoderichs wundersamem Genesungselixier heilt Edguts Wunde in Windeseile. Edgut quittiert seine erneut erhaltene Hilfe abermals mit einem knappen „Danke“.

Unangenehmes, kühles Wetter. Nieselregen, der kein Ende nimmt. Das Heckenlabyrinth zerfällt nun, da es seine Aufgabe erfüllt hat, zusehends zu Staub, bis nichts mehr von ihm übrig ist. Unsere Helden beschließen, ihren Weg zum Lager der Todfresser fortzusetzen. Was mit seinem leckeren Abendessen passiert ist, bleibt wohl für immer Theoderichs Geheimnis. Feroz fliegt nun voraus und weist den Weg. Nach einer Weile kommen sie an eine Stelle, an der innerhalb kurzer Zeit viel Wald gerodet wurde. Weiter entfernt erkennen sie vor einer Erhebung aus Felsen das Lager der Todfresser. Ein halbrunder Palisadenwall, der wohl aus den gefällten Bäumen gebaut wurde, umgibt es. Der Wall ist durch ein offenes Tor unterbrochen. Am Tor und auf der Felswand am hinteren Ende des Lagers stehen Wachen, denen man ansieht, dass sich ihre Motivation in Grenzen hält. Im Lager befinden sich drei große Feuerstellen, ein paar größere und kleinere Hütten und eine Haupthütte. Auch wenn der Spatzewatz nur etwa 6 Todfresser sieht, spricht die Anzahl der Hütten für ihn von einer wesentlich größeren Menge – etwa 30. Innerhalb des Hauptgebäudes ist Bewegung erkennbar. Es brennt ein Feuer darin und Eimack kann etwa 12 weitere Todfresser ausmachen. Der Spatzewatz nimmt außerdem eine gleichmäßige, pulsierende, warme Energie wahr, die aus dem Hauptgebäude ausströmt. Er spürt das Rauschen des Wassers, das Säuseln des Windes, das Flüstern der Blätter. Für den Spatzewatz zweifelsfrei ein Signal, das von dem Auge des Waldes ausgehen muss. Nun werden Pläne geschmiedet, wie man unbemerkt in das Haupthaus gelangt, in dem sich das Auge des Waldes sicherlich befindet. Es kommt zunächst die Idee auf, dass der Spatzewatz sein Wurzelwerk des Nächtens in das Hauptgebäude hineinwachsen lassen und das Auge des Waldes von dort durch das Erdreich nach draußen bringen soll. Der Spatzewatz verfeinert den Gedanken und überlegt, ob er einen Dachs einen unterirdischen Gang graben lassen soll, was aber ob der Dauer des Vorgangs wieder verworfen wird. Es werden mehrere Tunnelvarianten angedacht, aber jedes Mal ist es der Faktor Zeit, aufgrund dessen sie wieder verworfen werden. Auch eine Kletterpflanzenvariante, in der der Spatzewatz die Felswand hinunterwächst, wird in den Ring geworfen, aber dieser ist auch davon nicht wirklich überzeugt. Er überlegt kurzzeitig, ob es denn möglich wäre, dass nicht er zum Auge des Waldes, sondern das Auge des Waldes zu ihm kommt. Theoderich und Eimack gehen darauf ein und überlegen, ob es von selbst aus der Hütte käme, wenn man im Lager einen Wald wachsen ließe oder ihm zumindest einen Weg mit Pflanzen bahne. Dann fragt Spatzewatz Feroz, aus was das Auge des Waldes denn bestehe. Feroz antwortet: „Aus uraltem, getrocknetem Baumharz.“ Auch das bringt die Gruppe nicht wirklich weiter. Nun diskutieren sie, in der Annahme, dass das Auge des Waldes wie Bernstein aussieht, ob sie es durch einen Phosphorklumpen austauschen sollen, oder vielleicht zur Verwirrung gleich durch mehrere. Die könnte man ja nach gelungenem Coup durch Edgut anzünden lassen. Das beantwortet aber noch immer nicht die Frage, wer wie in das Hauptgebäude hineingelangen soll. Schließlich schickt Eimack ihre Katze als Spionageeinheit in die Hütte. Diese schleicht an den Wachen vorbei ins Lager, was relativ unproblematisch vonstattengeht, da sich einer der Wächter gerade gelangweilt mit einem Stück Holz im Mund herumpult, während der andere damit beschäftigt ist, mit einem Schleifstein seine Axtklinge zu schärfen. Sie läuft weiter auf das große Gebäude zu. Dort angekommen macht sie zwei Sprünge, will gerade um die Ecke schauen, als urplötzlich eine lange Zunge aus dem Eingang des Hauptgebäudes schießt, die die Katze umschlingt. Der Zunge folgt dann ein mächtiger Kiefer, in der Zunge und Katze verschwinden. Die Katze versucht noch einmal, sich zu befreien, ehe sie von dem riesigen, 3 Meter großen Waran, zu dem Zunge und Kiefer gehören, mit zwei, drei Bissen zermalmt und für immer verschlungen wird. Danach verschwindet der Waran gemächlichen Schrittes wieder in der Hütte. Der Spatzewatz weiß, dass Kälte ein wechselwarmes Tier wie den Waran starr werden lässt und macht sich nun Gedanken, wo man auf die Schnelle eine Tüte Kälte herbekommt. Auch diese Idee währt nicht lange führt aber zu dem Gedanken, dass Theoderich eine chemische Substanz herstellen soll, die, wenn der Waran sie frisst, dessen Temperatur stark absenkt. Man hätte natürlich auch auf Gift kommen können, wenn’s der Waran eh fressen soll, aber unsere Helden sind in diesem Moment von dem vielen überlegen, wie sie an das Auge des Waldes in der Hütte gelangen, etwas erschöpft. Ein Glück, dass es gerade jetzt Pizza gibt, mit der sie sich stärken können. Satt und vollgefressen kommt eine neue Idee auf, die dann auch in die Tat umgesetzt wird. Zunächst sucht Theoderich nach einem Rezept für ein Rauschmittel, das sich über den Rauch der Feuer im gesamten Lager verteilen soll. Eimack versucht, ihm beim Finden des Rezeptes zu helfen, ist aber bald genervt und motzt vor sich hin. Halgar feuert Theoderich an und der Spatzewatz stellt ihm sein Wissen über Kräuter zur Verfügung. Nach etwa einer Stunde beginnt Theoderich schließlich, das Rauschmittel zu brauen. Die große Hitze, die das von Edgut bereitgestellte Feuer erzeugt, sowie die effektive Suche und das schnelle Finden der passenden Kräuter mithilfe des Spatzewatzen beschleunigen diesen Vorgang. Eimack steuert weiteres Equipment bei und unterstützt Theoderich bei der Herstellung. Hinzu kommt der Trick, den Theoderich dereinst von Pyrecht verraten bekam. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Nun lässt der Spatzewatz einen Schwarm Stechmücken auftauchen, die die Todmacher im Lager gehörig beschäftigen. Derweil, so der Plan, soll Eimack unbemerkt von den abgelenkten Todmachern in jedes Feuer einen Pfeil mit dem Rauschmittel schießen. Halgar gibt ihr vorher den Tipp, die Feder ihrer Armbrust neu zu justieren, damit die Pfeile geräuschlos abgeschossen werden. Eimack tut das und stellt sich an der geeignetsten Schussposition auf, die sie von Theoderich mitgeteilt bekommen hat. Eimack setzt gerade zum ersten Schuss an, als die Stechmücken beginnen, nicht nur die Todfresser, sondern auch die wackere Heldentruppe heimzusuchen. Edgut reagiert schnell und verbrennt die Stechmücken, die ihnen zu nahekommen. So kann Eimack nun ungestört ihre Schüsse abfeuern, was sie auch mit großem Erfolg tut. Die Todfresser beginnen derweil damit, Holzscheite aus den Feuern zu nehmen, um sich damit gegen die Steckmücken zu wehren. Von den Schüssen bekommen sie nichts mit. Irgendwann beginnt einer der Todfresser mit seinem Holzscheit einen Fechtkampf mit einem anderen Todfresser. Ein weiterer rollt sich auf dem Boden herum, während noch ein anderer gegen die Palisade rennt, auf den Rücken fällt, liegenbleibt und mit der Hand Kreise in die Luft malt. Innerhalb von 2, 3 Minuten verwandelt sich der Haufen beinharter Todfresser in totale Vollidioten. Auch die beiden Wachen auf den Felsen erwischt es. Der eine setzt sich hin, während der andere seine Hose herunterzieht und in den Wald hüpft. Als sich der Rauch gelegt hat, setzt sich Halgar als erste in Bewegung in Richtung Hauptgebäude. Der Rest folgt ihr. Beim Vorbeigehen an den teils lachenden, teils schlafenden Todfressern fallen ihnen Tierknochen auf, die im Feuer liegen. Als sie das Hauptgebäude erreichen, sehen sie auch den Waran, der ebenfalls ermattet daliegt und mit letzter Kraft versucht, seinen eigenen Schwanz zu schnappen, was ihm aber nicht gelingen will. Im Inneren des Hauptgebäudes ist alles aus Knochen gebaut, die zum großen Teil nur abgeschält aber nicht ausgekocht wurden. Aus derartigen Knochen ist auch der riesige Thron hergestellt, auf dem der große und normalerweise sehr bedrohlich aussehende Herrscher Mordron sitzt, der nun sabbernd und mit verklärtem Blick ein eher jämmerliches Bild abgibt. Um ihn herum stehen Kisten, die ebenfalls aus Knochen gefertigt sind, und in der Mitte des Raumes steht ein aus zusammengestellten Elefantenstoßzähnen gebautes Podest, auf dem ein grün-gelblich pulsierendes Etwas liegt – das Auge des Waldes. Bei näherer Betrachtung sieht es hinter einer durchsichtigen Schale aus wie die Mitte eines Pilzes, von der aus Myzelien ausschwärmen, die sich die ganze Zeit bewegen. Es wirft außerdem seltsame Schatten. Der Spatzewatz fühlt sich von ihm unwiderstehlich angezogen und nimmt es zu sich. Als er es berührt, hört er plötzlich uralte Stimmen, die er zwar nicht versteht, bei deren Klang er aber eine eigenartige Form von schöpferischer Liebe verspürt. Eine derartige Erfahrung hat der Spatzewatz noch nie erlebt. Für einen kurzen Moment überkommt ihn der Gedanke, das Auge zu behalten, anstatt es der Drywedin Barva zu geben. So wohltuend fühlt sich für ihn die Hingabe für einen ewigen kosmischen Kreislauf, einen undurchbrechlichen Zyklus des Lebens, an, die er verspürt, seitdem er das Auge des Waldes in der Hand hält. Und er weiß, die Drywedin würde das alles nicht verstehen, und das Auge wäre bei ihm doch viel sinnvoller aufgehoben. Mitten in des Spatzewatzen Verzückung hallt Theoderichs Aufruf an die Gruppe, jemand solle doch die Gelegenheit nutzen und den berauschten Mordron in die ewigen Jagdgründe befördern. Seltsamerweise zieht niemand so recht. Halgar will keinen wehrlosen Gegner töten, Eimack ziert sich, ihre Armbrust zu benutzen, Edgut hat zu wenig Kraft, um Feuerbälle zu erzeugen, würde sich aber bereiterklären, Mordron mit einem Dolch den Garaus zu machen, falls jemand ihm einen Dolch geben könne und der Spatzewatz überlegt, ob er mal wieder eine seiner Würgelianen wachsen lassen soll, ist aber gerade noch ziemlich benebelt von seinem Ausflug in die Unendlichkeit der Wohlgefühle. Schließlich schießt Eimack doch mit Ihrer Armbrust auf Mordrons Kopf. Mit einem dumpfen Schlag dringt der Bolzen in dessen Kopf ein. Fupp. Der Bolzen steckt, das Blut fließt aus der Schädeldecke, aus der Nase und aus den Augen. Mordron ist Geschichte. Ein wahrhaft unspektakuläres Ende eines großen, gefürchteten Herrschers der Finsternis. Und ein schönes Beispiel vom Triumph des Kopfes über die Muskeln. Der Spatzewatz, das Auge des Waldes in der Hand haltend, verspürt ein befreites Aufatmen, eine Frühlingsbriese, die übers Land zieht. Er bekommt eine Gänsehaut, was bei ihm lustig aussieht – wie lauter kleine epidermale Ausstülpungen. Theoderich hingegen bekommt fürchterliche Kopfschmerzen, hört einen gellend lauten Schrei im Schädel und für einen kurzen Moment taucht vor seinem inneren Auge ein riesiges, pyramidenförmiges, schwarzes Etwas auf, das im leeren Raum schwebt und an dessen Seiten Gesichter aus den Wänden ragen, die laut in die Dunkelheit hinausbrüllen. Als Reaktion kann sein Magen die letzte Mahlzeit nicht mehr bei sich halten und Theoderich speit sie mit einem 2 Meter weiten Strahl quer durch den Raum. Dann ist alles vorbei. Schwer atmend gibt er den anderen zu verstehen, dass sie von hier verschwinden müssen. Aber nicht, bevor alle Todfresser tot sind. Eimack bekommt von Halgar einen Dolch und macht sich an die Arbeit. Sie ersticht, Stück für Stück, alle Todfresser. Der Rest der Gruppe verlässt das Lager. Während Theoderich sich dem Ausgang nähert, hört er dumpfe, unverständliche Stimmen und sieht zum zweiten Mal die schwarze Pyramide vor seinem geistigen Auge – nun ein gutes Stück näher als noch beim ersten Mal. Der Schädel, der in der Spitze der Pyramide sitzt, schreit nun lauthals. Theoderich ist kreidebleich und stürzt, sich übergebend und von Magenkrämpfen geschüttelt, zu Boden. Als er wieder zu sich kommt, taucht die Pyramide wieder auf und die Schmerzen werden immer unerträglicher. Für ein paar Sekunden ist er nicht mehr er selbst. Halgar, die bei ihm steht, zieht bereits ihr Schwert, da sie annimmt, Theoderich sei von etwas besessen. Auch Edgut reißt bereits seine Hände hoch, um Flammen zu erzeugen. Kurz bevor er sich nicht mehr halten, den Dolch zu ziehen, den er versteckt vor Edgut bei sich trägt, nimmt Theoderich mit letzter Kraft einen Schluck aus seiner Ein-Schluck-und-es-geht-mir-besser-Flasche, die damit leer ist. Von einem Moment auf den anderen ist er wieder der Alte, ohne Schmerzen, ohne Visionen und voll bei Sinnen. In diesem Augenblick zieht Eimack gerade den Dolch aus einem der soeben getöteten Todfresser. Nun beginnt Theoderich zu begreifen. Jedes Mal, wenn ein Todfresser stirbt, bekommt er einen Anfall. Er bittet Halgar und Edgut, ihn schnell hinauszubringen, damit Eimack weiter ihrer Beschäftigung nachgehen kann. Die beiden sind zwar nicht begeistert – zu furchterregend waren Theoderichs Zustände – aber schließlich kann er sie überzeugen und sie bringen ihn vor das Lager. Auf dem Weg bekommt er tatsächlich noch einen Anfall, aber als er dann weit genug entfernt ist, ist der Spuk vorbei. Der Spatzewatz mit dem Auge des Waldes in der Hand fühlt sich derweil mit jedem getöteten Todfresser immer besser. Seine Hände setzen Triebe an und die Finger fangen an zu blühen. Er grinst und hat Gänsehaut. Beseelt trottet er gemächlich den anderen hinterher zum Ausgang des Lagers, stets begleitet von Feroz. Eimack macht weiter, bis auch der letzte Todfresser abgeschlachtet ist. Dann geht sie ins Haupthaus und auch der Waran muss daran glauben. Eimack ist nun allein im Lager. Sie hört das Knistern der Feuer und das kaum wahrnehmbare Rauschen des Nieselregens. Sonst ist es still. Sie schaut in eine der Kisten aus Knochen hinein und findet einen Haufen seltsamer Gegenstände, die sie nicht wirklich zuordnen kann. Dennoch sucht sie sich 4 Teile heraus, die sie mitnimmt: Mordrons Amulett, Mordrons Ring, Mordrons Thronverzierung sowie Mordrons Rhinohorn, das, wenn es geblasen wird, irgendjemanden rufen kann.

Theoderich kann vor dem Lager nun langsam wieder klare Gedanken fassen und nimmt sich vor, im Buch der Toten nach einer Antwort auf seine Vision mit der schwarzen Pyramide zu suchen. Edgut steht besorgt neben ihm, während Halgar ihre Hand nicht mehr vom Knauf ihres Schwertes nimmt. Sie habe in das Auge eines Dämons geblickt, gibt sie Theoderich zu verstehen. Theoderich beruhigt sie, dass dies nun vorbei sei. Dann bittet er Edgut, Feuer zu machen, damit er für alle etwas zu essen zubereiten könne. Er bekommt sein Feuer und bereitet ein episches Mahl zu, das alle mit Wonne verspeisen, auch Eimack, die inzwischen zu ihnen gestoßen ist. Feyðra, fällt Eimack auf, die dafür eine besondere Wahrnehmungsgabe besitzt, Feyðra ist seit den Ereignissen im Lager der Todfresser nicht mehr so nah an Theoderichs Seite wie früher. Dennoch genießt auch sie seine Kochkünste. Auch Theoderich merkt Feyðras Distanz zu ihm. Der Spatzewatz schwebt derweil auf Wolke 7, seine Fingernägel sind zu Tierklauen mutiert, seine Haare sind dichter und länger denn je geworden, auf den Handrücken hat sich Moos gebildet und an jeder Stelle, die das Auge des Waldes berührt hat, sind animalische oder pflanzliche Erweiterungen gewachsen.

Nach einem opulenten Festessen machen sich die Gefährten auf den Heimweg. Sie laufen wieder quer Feld ein. Der Nieselregen bleibt ihr Begleiter. Der Spatzewatz merkt, dass er das Auge des Waldes, auch wenn es ihm noch so guttut, nicht lange behalten sollte, da es ihn allmählich verändert. Halgar bleibt immer einen Schwerthieb entfernt schräg hinter Theoderich, was diesem nicht entgeht. Ansonsten bleibt der Rückweg ohne besondere Vorkommnisse, bis schließlich die verfallenen Mauern der großen, alten Stadt vor ihnen auftauchen. Sie laufen direkt zum Hain der Drywedin. Feyðra bleibt außerhalb des Hains. Ihr Rhinozeros sehen sie auch wieder – es wurde auf das Vortrefflichste gepflegt. Der Spatzewatz geht an der Drywedin vorbei auf direktem Wege zum Baum. Dabei fällt ihm die unglaubliche Sogkraft auf, die zwischen dem Auge des Waldes in den und dem Baum besteht. Trotz des Spatzewatzen Zaubers hat der Baum während der Abwesenheit der Gefährten stark gelitten. Viel Laub hat er verloren und an zahlreichen Stellen ist die Rinde schwarz geworden. Auch sind eine Menge Äste abgestorben. Barva , die Drywedin, verneigt sich tief vor dem Spatzewatz und lässt ihn das Auge des Waldes in die Stelle des Baumes einsetzen, die dafür vorgesehen ist. Als das Auge des Waldes an seinem Bestimmungsort sitzt, schließt sich das Holz um es herum und die Borke beginnt wieder zu wachsen. Der Spatzewatz wundert sich, wie die Todfresser es überhaupt haben herausnehmen können, so fest, wie es nun mit dem Baum verbunden ist. Der gesamte Hain beginnt, aufzuatmen. Ein Pulsschlag, der immer größer wird. Auffällig ist, dass weder die Drywedin Barva noch der Hain auf Theoderich reagieren, zumal sie ja Feyðra aus irgendwelchen Gründen nicht in den Hain ließen und mit Theoderich eventuell auch etwas nicht stimmt. Barva verneigt sich noch einmal und dankt für all die Dienste, die ihrem Volk und den Kindern des Waldes von den Gefährten erwiesen wurden. Dann tritt Edgut hervor und bittet seine Begleiter, sie verlassen zu dürfen. Er möchte nicht mehr weglaufen, sondern hier, in der Stadt bei dem Tempel bleiben und ihn wieder aufbauen. Auch Barva ist einverstanden, dass er hierbleibt. Schweren Herzens trennt sich die Gruppe von ihm. Edgut dreht sich zu Theoderich und sie verabschieden sich. Dann fasst er sich an sein Amulett und spricht: „Seid mir nicht böse, aber das hier ist mein Platz.“ Der Spatzewatz heult Rotz und Wasser – bei ihm Harz und Pflanzensaft. Edgut drückt jedem seiner Gefährten noch einmal die Hand, Theoderich nimmt er in den Arm. Dann dreht er sich um und geht. Die Drywedin sagt ihm noch beim Gehen, dass sie ihn am heutigen Abend besuchen wird. Dann dreht sie sich um und spricht zum Rest der Truppe: „Dieser Hort wäre gestorben und mit ihm ein wichtiger Teil des Volkes. Mir bleibt nur, jedem von euch einen Wunsch zu gewähren, den wir erfüllen können. Ich kann keine Berge versetzen, aber wenn es etwas mit meinen Kindern, diesem Hain und diesem Ort zu tun hat, so möge ich eure Wünsche erfüllen.“ Der Spatzewatz reagiert als erster und fragt, ob Feroz ihn weiter begleiten kann, falls dieser nichts dagegen hätte. „Feroz begleitet mich, seit ich ein Kind war,“ antwortet Barva, „aber nun wird er euch begleiten, weil ihr das Auge des Waldes gerettet habt. Und es wird sein Wunsch sein.“ Und so hat der Spatzewatz nun einen permanenten gefiederten Begleiter. Eimack wünscht sich die Augen der Eule, eine Gabe, die ihr Nachtsicht ermöglicht, und Halgar verschiebt ihren Wunsch auf später. Theoderich möchte eine Privataudienz mit Barva, die er auch bekommt. Während dieser Audienz erzählt er ihr von seinen Visionen und Schmerzen im Lager der Todfresser und fragt sie um Rat und um Hilfe. Zudem möchte er das Buch der Toten zurück und möchte zusammen mit ihr darin ebenfalls nach Lösungen suchen. Barva kennt die Pyramide nicht und weiß nur, dass das, was in Theoderich steckt, keine Gefahr für den Hain bedeutet. Das Buch der Toten hingegen sei tatsächlich eine Gefahr, weil es gefährliches Wissen beinhalte. „Die Todfresser“ so Barva, „haben mächtige Magier, die schreckliche schamanische Magie besitzen, die den Geist verwirrt. Es kann durchaus sein, dass sich Deine Bilder damit erklären lassen. Ich werde euch ein Gebräu brauen, das euch schützt vor allem was auf euch Einfluss nehmen mag.“ Theoderich bedankt sich und fragt nach Feyðra, die eine Gefahr für den Hain zu sein scheint. Barva bestätigt es und fügt hinzu, dass der Hain schreckliche Angst vor ihr habe. Sie sei kein Mensch und kein Tier. Theoderich kann sich kaum vorstellen, dass Feyðra gefährlich ist und bohrt weiter. „Die Kinder sind die reinsten Wesen, wenn sie geboren werden. Doch sie lassen sich schnell manipulieren und wenn ihre Gefühle nicht in richtige Bahnen gelenkt werden, dann werde sie schnell zu Vehikeln unlauterer Ziele“ antwortet Barva. Theoderich ist trotz allem fest enschlossen, Feyðra wieder auf die richtige Bahn zu bringen und fragt Barva, ob sie etwas für ihn tun könne, das ihm dabei hilft. Barva kann nur etwas für Menschen oder Tiere tun und daher nichts für Feyðra. Schließlich kommt Theoderich auf den alten, verlassenen Ort zu sprechen, zu dem Feyðra gebracht werden möchte. Barva meint nur, der Ort sei etwas, das nicht von dieser Welt ist. Die Fragen, ob es sich um einen Tempel handele und ob es ein Ort für Außerweltliches sei, bestätigt sie beide. Und sie fügt hinzu, dass es auch ein Ort sein könne, an dem eine Initiation durchgeführt werde. Theoderich beschließt für sich, Feyðra dort hinzubringen, den Ort aber nicht zu betreten. Zum Schluss erzählt er Barva die Geschichte von Zætor Madrighon und, dass sie Leute, die nach ihnen fragen nach Norden zu den Todfressern schicken solle.

Peter Sailer
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Nihilistischer Weltverbesserer

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